Verein:

Auszug aus dem Programmheft zum 75. Jubiläum des MMC:

Vereinsgründung

Kann ein Verein auf ein Alter von 75 Jahren zurückblicken, so stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie kam es zur Gründung des Vereins? Was motivierte damals die Männer, einen Chor zu gründen?

Aus alten Protokollen und durch Befragen älterer Sänger anlässlich des 50-jährigen Bestehens, konnte über ein langjähriges Vereinsleben recherchiert werden. Dabei beginnt man zwangsläufig mit dem Gründungsjahr, dem Jahr 1927.

Wie war es damals? Es war die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, und, wie man in einem Protokoll lesen kann: Es regten sich wieder Geist und Hände. So war es sicherlich nicht verwunderlich, dass auch gerade in Mesum weitere Vereinsgründungen vorgenommen wurden. So haben z. B. der Sportverein und auch die Kolpingfamilie das gleiche Gründungsjahr.

Der Gesang stand im hohen Ansehen und es gab bereits in den Nachbargemeinden viele Chöre. Konzerte dieser Vereine dürften ein bedeutender Beitrag im Kulturleben der Gemeinden gewesen sein und es war kein Wunder, dass dann die Zeitungen über diese Veranstaltungen große Berichte verfaßten. So sollen zur damaligen Zeit einige Zeitungen regelrechte Sängerbeilagen erstellt haben.

Dieses dürfte in Mesum auch zu Gründungsgedanken geführt haben. Es war aber sicherlich keine spontane Entscheidung, sondern reifte über einen längeren Zeitraum. So gibt es bereits im Protokollbuch der KAB einen Vermerk vom 27.07.1919, wo es heißt: "Ferner wurde beschlossen, einen Gesangverein oder Kirchenchor zu gründen".

In der "Rheiner Zeitung" konnte man in einem Leserbrief lesen, dass Mesum gegenüber anderen, sogar wesentlich kleineren Gemeinden, keinen Chor hätte (Verfasser unbekannt, vermutlich Josef Kamp).

Josef Kamp war es schließlich, der die Initiative ergriff. Im Festbuch zum 25-jährigen Bestehen des Vereins schildert er, wie sich dieser Gründungsgedanke immer mehr formte. Er berichtete dort von seinem Vetter Hubert Kamp, mit dem er in Münster in "Appels Biergarten" saß und mit einem Bierglas in der Hand Pläne zur Gründung eines Gesangvereins schmiedete. Somit führt eine gewisse Spur zur Chorgründung nach Münster in einen Biergarten!

Vetter Hubert Kamp (ein Sohn von Lehrer Kamp und gebürtiger Mesumer) und ein weiterer Freund der beiden, Willi Palmes, bestärkten Josef Kamp dann zur Gründung. Dazu stieß dann noch Alois Bosse, Chorleider der "Sängerlust Emsdetten".

Über einen Aufruf in der Zeitung versucht man dann, sangeslustige Männer zu finden. Mit "Ach und Krach", wie der Chronist vermerkte, kamen zunächst zwölf Sänger zusammen. In der Gaststätte Kamp, im kleinen Zimmer, legte Josef Kamp den Erschienenen das Konzept für einen Gesangverein vor. Und er erbot sich, den Dirigentenstab zu übernehmen.

Der Anfang war schwer. So hatte man noch keine Noten und es blieb das auswendige Singen. Mit der Fortdauer der Übungen kam auch die Begeisterung und es gelang, weitere Männer in den Verein zu bringen. Im August 1927 war dann die Mitgliederzahl auf 19 angewachsen. Zu den ersten Sängern, die namentlich erwähnt waren, gehörten die folgenden:

August Albers, Fritz Hinnah, Willi Achterkamp Franz Reckenfelderbäumer, Bernhard Hansmeier, August Deitmar, Josef Schepers, Heinrich Wolters, Ludwig Stienemann, Hermann Kestermann, Matthias Schauenburg, Heinrich Florack, Hubert Kamp, Martin Deitmar, August Heckmann und August Kock

Brachte schon Josef Kamp selber Chorerfahrung aus Greven mit, so hatten bereits August Albers und Hermann Kestermann in Emsdetten und Ochtrup gesungen. Vielleicht waren diese Erfahrungen für den jungen Chor sehr wichtig.

Am 04.12.1927 fand dann im Vereinslokal Ww. Josef Kamp die erste Generalversammlung statt. Auf dieser wurde der erste Vorstand gewählt:

1. Vorsitzender --> August Albers, Stellvertr. Vorsitzender --> Hermann Kestermann, Schriftführer --> Willi Achterkamp, Kassierer --> Willi Achterkamp und Bücherwart --> August Deitmar

Man hatte wohl von Beginn der Probearbeit an einer Kasse geführt, denn im Protokoll ist bereits ein Kassenbestand von 14,73 Mark vermerkt.

Zur Namensfindung wollte Josef Kamp diesen zunächst Concordia benennen (weil er im Chor Concordia Greven gesungen hatte, wie er selber anmerkt.). Doch u.a. riet Alois Bosse zum Namen "Mesumer Männergesangverein", weil es doch der "erste Chor" in Mesum sei.

So war der Name des Chores für viele Jahre festgelegt und erst im Jahre 1969 erfolgte die Umbenennung in "Mesumer Männerchor". Im Jahre 1999 wurde dann der Verein in das Amtsregister als e.V. eingetragen.

Viel Mut bewies schon der Versammlungsbeschluss, zu Beginn des neuen Jahres ein Konzert zu veranstalten. Dieses fand dann auch statt am 08.01.1928 um fünf Uhr nachmittags im Saale Heinrich Mersch.

Der Anfang war gemacht.

 

Der Weg des Chores zum 75-jährigen Jubiläum

Nachdem die Sänger auf der ersten Generalversammlung die Durchführung eines Konzertes beschlossen hatten, setzte man dieses auch in die Tat um. Ein noch vorhandenes Programmheft verweist auf ein "Winterkonzert" im Saale Mersch. Durch den Gesangverein wurden immerhin schon sieben Lieder dargeboten, darunter Wilhelm Palmes mit den Liedern zur Laute und Hubert Kamp aus Greven mit Bassliedern.

Das Konzert war ein großer Erfolg und die Rheiner Zeitung vermerkt in einem langen Bericht, dass Feinheit und Tonreinheit sehr gut waren, wie es eigentlich nur bei erfahrenen Chören vorausgesetzt wird. Damit dürfte dem jungen Verein sehr viel Selbstvertrauen mit auf den Weg gegeben worden sein und damit viel Motivation für die kommenden Jahre.

Diese Premiere ging natürlich nicht ohne Zweifel am Können der Sänger einher. So berichtet Josef Kamp im Festbuch zur Fahnenweihe im Jahre 1929 von der Nervosität der Beteiligten und auch von der Überraschung, dass der Saal übervoll war. Schließlich hatte man keine Erfahrung mit der Durchführung einer solchen Veranstaltung.

Der nächste Vereinshöhepunkt war dann zweifelsfrei die Fahnenweihe, die am 26.05.1929 gefeiert wurde, mit Ehrenbögen, Tanz auf zwei Sälen und Sängern aus Rheine, Emsdetten, Elte, Greven, Borghorst, Riesenbeck und Neuenkirchen.

Das der junge Verein schon früh eine Fahne erwerben konnte, war eine herausragende Leistung. Es soll an anderer Stelle detailliert auf diese Fahne eingegangen werden.

Im Jahr der Fahnenweihe war die Mitgliederzahl bereits auf 41 Aktive gestiegen. Ein Bild des Chores aus dem Jahr der Fahnenweihe schmückt heute die Wand unseres Probenraumes und zeigt die vielen Sänger, die voller Stolz ihre Fahne präsentieren.

Aus den Protokollen kann man entnehmen, dass in den folgenden Jahren viele Konzerte gegeben wurden, dass Ausflüge mit oder ohne Damen das Chorleben bereicherten und dass auch kleine Probleme unter den Sängern bereinigt werden mussten, so z. B. die Probenbeteiligung. Aus mehreren Protokollen nach den Generalversammlungen kehrte dieses Thema immer wieder in den Vordergrund aller Diskussionen. So führte man sogar ein Strafgeld ein (Versammlungsbeschluss vom 14.05.1931):

  • 10 Minuten Verspätung --> 10 Pfg.
  • 20 Minuten Verspätung --> 20 Pfg.
  • 30 Minuten Verspätung --> 50 Pfg.
  • keine Teilnahme --> 75 Pfg.

Es ist nicht vermerkt, welche Gründe es für das Fehlen gab. Aber es darf sicherlich angenommen werden, dass wahrscheinlich eine große Zahl der Sänger in den Mesumer Betrieben in Schicht arbeiteten oder bis zum späten Abend noch landwirtschaftlich tätig waren, sei es im Garten oder auf dem Acker.

Keine besonderen Vermerke findet man zu der sich abzeichnenden Weltwirtschaftskriese, bzw. zu den unruhigen Zeiten in den Mesumer Betrieben wie Gröning und Kettelhack oder zum Konkurs von Schürmann und Holländer im Jahre 1930. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass auch einige Sänger direkt betroffen waren. Lenkte das Singen vielleicht von diesen Problemen ab?

1931 wünschte dann Dirigent Josef Kamp eine "Damenabteilung". Es sollte kein gemischter Chor entstehen, wie er versicherte. Wurde dieser Wunsch nach großer Debatte zunächst zurückgestellt, erhielt er auf einer weiteren Versammlung die Zustimmung. Hierzu ist überliefert, dass auf dem Programmheft zum Konzert vom 26.04.1931 eine Fußnote erscheint mit dem Hinweis, dass man Damen sucht für ein Konzert mit einem gemischten Chor. So kam es am 03.04.1932 zu einem Konzert, wo auch gemischte Chorsätze aufgeführt wurden. Danach jedoch wurde die weitere Mitarbeit der Damen abgelehnt. Es gibt in den Protokollen keine Hinweise auf die Zahl der singenden Damen und auch keine Namen.

Von 1934 bis zum September 1935 ruhte die Probenarbeit. Der eigentliche Grund hierfür ist nicht bekannt. Die letzte Eintragung im Protokollbuch endet noch mit einem längeren Bereicht über das Schützenfest vom 23.07.1933. Laut dieser Aussage wurde groß gefeiert mit einem Umzug, an der Spitze die Feuerwehrkapelle und mit einem König Bernhard Schipp (seine Braut Elisabeth Bügers wurde Königin). Mit dieser Eintragung enden alle Informationen, ohne Hinweise auf eventuelle Probleme.

Über eine Vereinswiederbegründung berichtet dann wieder ein Protokoll. Es trafen sich zunächst siebzehn alte Sänger, die wieder proben wollten. Josef Kamp stellte sich als Dirigent nicht zur Verfügung, da er angeblich mit der Arbeit beim Kirchenchor voll ausgelastet sei. So wurde Franz Kamp, Organist der Herz-Jesu-Kirche in Rheine, neuer Chorleiter. Zur ersten Probe am 06.10.1935 erschienen 23 Sänger. Vorsitzender wurde August Heckmann, der wohl auch als der Initiator zur Wiederauflebung des Chores angesehen werden darf.

Die nun folgenden Jahre wurden nicht einfacher. Wie sich z.B. das politische Umfeld in die kulturellen Veranstaltungen einmischte, zeigt ein Buchvermerk: Der neue Vereinsführer August Heckmann musste von der politischen Leitung bestätigt werden!

Allerdings nahm der Chor jetzt mächtig Aufschwung. Das zeigte sich in vielen Veranstaltungen, wie Konzerte, Ausflüge und auswärtige Verpflichtungen.

Leider mussten alsbald alle Aktivitäten durch den Weltkrieg beendet werden. Eine Generalversammlung, zunächst noch zum 09.10.1938 einberufen, musste abgesagt werden, da zu wenig Sänger erscheinen konnten.

 Im Protokollbuch vermerkt August Heckmann:

"Vom 1. September 1939 bis zum 7. Mai 1945 war das große Völkerringen, was ohnehin jegliche Sangestätigkeit unterband, da von 36 aktiven Sängern 34 zu den Waffen gerufen wurden. 1/3 derselben ist auf dem Felde der Ehre gefallen." Zu den Gefallenen gehörte auch der Dirigent, Franz Kamp.

Dieser Protokollvermerk von August Heckmann war zweifelsfrei nach dem Kriege eingefügt und zeigt wohl auf, dass er oder ihm nahestehende Personen die Unterlage des Chores verwahrt haben. Auch die Vereinsfahne überstand im Vereinslokal die Kriegswirren.

Nach dem Krieg war es wieder August Heckmann, der die Freunde des Gesanges mobilisierte. Auch Josef Kamp ließ sich wieder als Dirigent gewinnen und so trafen sich am 09.09.1945 15 Sänger und beschlossen, eine Woche später, am 16.09.1945, eine Generalversammlung einzuberufen. An dieser Versammlung nahmen bereits 28 Sänger teil und kamen am folgenden Samstag zur ersten Probe. Der Neuanfang war gemacht.

Der erste Vorstand nach dem Krieg hatte folgende Zusammensetzung:

1. Vorsitzender --> August Heckmann, 1. Kassierer --> Bernhard Gehling, Schriftführer --> Bernhard Stienemann, Bücherwart --> Fritz Hinnah und Liedvater -->Bernhard Hansmeyer

Die Nachkriegszeit nutzte der Chor, wieder die kulturellen Werte zu beleben und zu fördern.

Trotz der vielen organisatorischen Probleme mit den Besatzungsmächten und den allgemeinen Mänglen gelang es, bereits am 24.02.1946 ein Konzert im Saale Mersch anzubieten. Das Interesse daran war so ungewöhnlich groß, dass der Verein spontan beschloss, dieses Konzert am 10.03.1946 zu wiederholen.

In den Folgejahren entwickelte sich der Chor und hatte im Jahre 1947 immerhin 59 Sänger in seinen Reihen! Viele besondere Veranstaltungen, speziell für seine Mitglieder und deren Angehörigen, wie Sommerfeste und Weihnachtsfeiern, wurden durchgeführt.

Im Jahre 1952 feierte der Gesangverein ein glanzvolles Jubelfest zum 25-jährigen Bestehen. Der festlich geschmückte Ort erlebte einen Festzug mit Spielmannszügen und Feuerwehrkapelle, mit vielen Gästen aus Emsdetten, Horstmar, Rheine, Bevergern, Riesenbeck, Salzbergen und Eggerode. Auf dem Hofe Schulte Mesum war eine große Festveranstaltung, auf der der Vorsitzende Bernhard Rott die Sänger August Heckmann, Fritz Hinnah, Hubert Kamp, August Kock, Franz Reidegeld, Franz Reckenfelderbäumer, Bernhard Schipp und Otto Strickerschmidt für 25 Jahre Singen die Silberne Ehrennadel überreichte.

Der Chronist der damaligen Zeit vermerkt, dass das Jubiläumskonzert wie auch das Fest wegen einer grassierenden Ruhrepidemie verschoben werden musste. Dabei traf es auch direkt den Dirigenten Josef Kamp, der wegen dieser Krankheit durch seinen Sohn Josef und durch B. Schneider aus Emsdetten vertreten werden musste.

Im Jahre 1957 gab es einen Tiefpunkt im Verein. Von vielen Unstimmigkeiten ist die Rede, der Probenbesuch war sehr schlecht und das Singen musste eingestellt werden. Auch Josef Kamp trat von seinem Amt als Dirigent zurück.

Wie schon nach mehreren Krisen in der Vergangenheit, so waren es auch jetzt wieder einige Sänger, die nach einem Ständchen beschlossen, das Singen fortzusetzen. Durch die Verpflichtung von Helmut Schlee als neuen Chorleiter beendete man mit einer ersten Probe am 14. September 1957 mit 32 Sängern die Misere.

In den nun folgenden Jahren erlebte der Chor viele musikalische Höhepunkte. Hierzu darf man die Teilnahme an Sängerwettstreiten (Lingen, Kaiserau, Schwerte, Münster) genau so aufzählen wie die Rundfunkaufnahme des WDR für eine sonntägliche Männerchorsendung.

Im Jahre 1973 musste der Chor eine erneute Krise hinnehmen. Wiederum war der Probenbesuch stark abgesunken und Helmut Schlee legte sein Amt als Chorleiter nieder. Er war immerhin sechzehn Jahre lang sehr aktiv tätig gewesen. Nach einer Aussprache der Sänger bestimmte die Versammlung Dirk von der Ehe zum neuen Dirigenten.

Aus beruflichen Gründen folgte ihm nach zwei Jahren Antonius Jansen, der wiederum aus persönlichen Gründen ausschied.

Zwei Damen waren in der Folgezeit für den Chor tätig, bevor dann der jetzige Dirigent Alexandros Tsihlis eingeführt wurde. Er hatte dür das Jubeljahr 2002 ein großes Konzert einstudiert.

Zum Jubiläum im Jahre 1977 kleideten sich die Sänger einheitlich ein. Eine dunkele Sängerjacke wurde angeschafft. Schwarze Hosen, weißes Hemd und eine Samtfliege ergänzten das Aussehen. Damit wollte der Chor seine Darstellung in der Öffentlichkeit auch optisch verbessern.

Der Rückblick über die vielen Jahre Männerchorgesang in Mesum zeigt es deutlich auf: nach mehreren Tiefs, z. T. verbunden mit längeren Pausen, fast wie wellenförmige Zeitbewegungen, hat es immer wieder einen mächtigen Aufschwung gegeben. Daran waren nicht nur besonnene Sänger im Vorstand verantwortlich, sondern auch sonstige, dem Gesang besonders verbundene Sänger, beteiligt. Sie übernahmen in schwierigen Jahren eine große Verantwortung, unterstützt von begeisterungsfähigen Chorleitern.

Möge diese Erkenntnis und Erfahrung der Vergangenheit dazu führen, dass ein solcher Geist auch in den weiteren Jahren erhalten bleibt.

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